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Nachrichten aus dem Innovationsraum BioBall

Tagungsbericht: From Science to Business, Wirtschaftliches Potential der Bioökonomie entfalten

  25.01.2024
Die Veranstaltung am 18.01.2024 bei der DECHEMA in Frankfurt hat gezeigt, dass die Entwicklung innovativer Verfahren und die Etablierung biobasierter Produkte im Bereich der Bioökonomie nur eine Chance haben, wenn auch die richtigen Rahmenbedingungen gesetzt sind. Dazu gehören auch die Bepreisung aller CO2-Emissionen und ein Labeling der Produkte. Es braucht aber vor allem agile Start-Ups, die mit disruptiven Innovationen die nötigen Impulse in der Bioökonomie setzen, um den Wandel zur Klimaneutralität zu schaffen. Die Veranstaltung hat gezeigt, dass Hessen junge Unternehmer-Teams in allen Phasen der Gründung unterstützen kann.
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From Science to Business – Wirtschaftliches Potential von F&E-Projekten der Bioökonomie entfalten

Wie können Forscher:innen auf ihrem Weg zu Unternehmer:innen bestmöglich unterstützt werden, damit die wissenschaftlichen Erkenntnisse ihr wirtschaftliches Potenzial in der Bioökonomie voll entfalten können? Dieser Frage gingen der Innovationsraum BioBall und das Technologieland Hessen gemeinsam mit Referent:innen aus dem Entrepreneurship-Ökosystem beim Diskussionsforum und Netzwerktreffen am Donnerstag, den 18. Januar 2024 im DECHEMA-Haus in Frankfurt nach. Eine willkommene Gelegenheit für angehende Start-Ups und Interessierte sich über Erfahrungen der Sachkundigen und die Angebote des Technologietransfers zu informieren und außerdem ihre Netzwerke beim Get-Together auszubauen. Durch das Programm führten Dr. Stefaniya Genchewa, Dr. Stefaniya Gencheva, Hessen Trade & Invest GmbH, Wiesbaden, und Dorit Lehr, BioBall Geschäftsstelle c/o Provadis Hochschule, Frankfurt.

Dr. Janin Sameith, Referat für Technologische Innovation und Ressourceneffiziente Produktion des Hessischen Ministerium für Wirtschaft begrüßte die Teilnehmenden und wies insbesondere auf die zunehmende Bedeutung der Bioökonomie für die hessische Wirtschaft hin. Sie unterstrich dabei die Schlüsselrolle von StartUps für die Entwicklung von Zukunftstechnologien gerade in den Bereichen Pharma und Chemie, die als Wirtschaftsfaktoren für Hessen gelten.

Dr. Jürgen Eck, Gründer und CEO der bio.IMPACT, Mitgründer der BRAIN Biotech AG und Mitglied des Bioökonomierats der Bundesregierung erläuterte in seiner Keynote einerseits, wie die Implementierung der Bioökonomie die Transformation der Wirtschaft unterstützen kann. Dazu bedarf es aber nicht nur einer grundsätzlichen Rohstoffwende, sondern auch einer Steigerung von Energie- und Ressourceneffizienz durch neue Produktionsprozesse inkl. Re- und Upcycling, um die erforderlichen Rohstoffe auch in einer sich verändernden Marktsituation verfügbar zu halten. Andererseits unterstrich Herr Eck die Bedeutung disruptiver Innovationen für die wirtschaftliche Entwicklung. Gerade im Bereich der Bioökonomie ist die Suche nach Investoren zur Finanzierung der Skalierung biotechnologischer Prozesse aber durch den immensen Investitions- und Zeitbedarf mitunter erschwert. Hierfür sind bessere Rahmenbedingungen und Infrastrukturelemente erforderlich, um Sprunginnovationen und Unternehmertum zu fördern. Ein Baustein hierzu kann ein Leitmarkt für nachhaltige Produkte sein, welcher unter anderen durch die öffentliche Beschaffung unterstützt werden kann.

Annelie Sanden, Innovation und Start-ups, Hessen Trade & Invest GmbH, gab anschließend in Ihrer Vorstellung des StartHubHessen-Aktivitäten einen Überblick über das hessische Gründer-Ökosystem. Mit über 1500 aktiven Start-Ups, starken forschungsnahen Standorten wie bspw. Darmstadt und steigenden Investments in junge Unternehmen bietet Hessen ein lebendiges Umfeld für Gründungsinteressierte. Die Angebotsvielfalt ist groß und StartHub Hessen dient als zentrale Anlaufstelle, wobei nicht nur die Beratung sondern auch das Vernetzen und Sichtbarmachen der angehenden Unternehmen im Vordergrund stehen. Hilfreich ist dabei, dass die gebotenen Service-Leistungen einerseits kostenfrei sind und Veranstaltungen mit dem Ziel der Vernetzung auch finanziell unterstützt werden können.

Über die oft schwierige Frage, ob ein Geschäftsidee eher ein Diamant oder Eintagsfliege ist, sprach Harald Holzer von HIGHEST, dem Innovations- und Gründungszentrum der TU Darmstadt. Er betonte, wie wichtig es ist, allen Ideen zunächst eine Chance geben, auch wenn diese, besonders aus dem akademisch-wissenschaftlichen Umfeld oftmals noch nicht ausgereift sind: Deutschland ist Innovationsnachzügler: zwar stark in der Grundlagenforschung, dafür aber schwach in Kommerzialisierung und Skalierung. Es bedarf von daher umfänglicher Beratung und Unterstützung der Gründer-Teams, um Businesspläne zu entwerfen und kontinuierlich zu verbessern. Dabei stehen die Teams selbst besonders im Fokus von HIGHEST, denn nur ein gutes Gründung-Team wird den vielfältigen Herausforderungen gewachsen sein und Investoren überzeugen. Herr Holzer lädt Interessierte ein, das umfängliche Beratungsangebot von HIGHEST so früh wie möglich zu nutzen, um Gründungsideen weiterzuentwickeln und so die Teams zu unterstützen.

Dr. Lutz Müller, Science4Life e.V., stellt die Frage, ob Wettbewerbe eine Pflicht oder eher die Kür für Gründer sind. Dazu gab einen Überblick über die große Vielfalt an Wettbewerben (>160) für Gründungsinteressierte in Deutschland. So gibt es auf den unterschiedlichen Ebenen zahlreiche Ideen-, Businessplan- oder Gründerwettbewerbe. In den zugehörigen Workshops, Seminaren und individuellen Beratungen durch Expert:innen können sich Gründerteams umfangreich fortbilden. Wettbewerbe dienen darüber hinaus der Vernetzung und dem Austausch der jungen Unternehmen auch untereinander und bescheren den Teilnehmenden eine gute mediale Aufmerksamkeit. Preisgelder, Gutscheine und das mit dem Wettbewerb verbundene Qualitätssiegel runden die vielen Vorteile für die Teams ab und machen eine Teilnahme lohnend. Mit Science4Life steht auch in Hessen und darüber hinaus Interessierten ein Businessplan-Wettbewerb offen, der besonders durch das umfangreiche Experten-Netzwerk und die beteiligten Institutionen beeindruckt. Die Initiatoren und Hauptsponsoren von Science4Lifesind die Hessische Landesregierung und das Gesundheits­unternehmen Sanofi. Dabei konzentriert Science4Life sich besonders auf die High-Tech Bereiche Biotechnologie, Chemie und Pharma, wobei Bioökonomie dort ebenfalls inbegriffen ist. Gründerteam sind herzlich einladen, sich in kommenden Phasen des dreiteiligen Wettbewerbs zu bewerben.

Dass es im Zuge einer Unternehmensgründung aber oft mehr Finanzmittel als ein Preisgeld eines Wettbewerbs bedarf, war in dieser Runde sicher allen bewusst. Dr. Nikolaus Raupp, High-Tech Gründerfonds (HTGF) Management GmbH, erläuterte daher, wie die Seed-Finanzierung für Bioökonomie Start-Ups durch den HTGF verläuft, warum Investoren so oft Nein sagen müssen und er gab Tipps, wie sich die passenden Investment-Partner finden lassen. Schließlich sind derartige Partnerschaften langjährig und haben nicht selten eine größere Haltbarkeit als manche Ehe. Die Auswahl sollte daher mit viel Bedacht geschehen. Dabei sind Bioökonomie-StartUps durchaus für viele Investoren interessant, wenngleich die hohen erforderlichen Investments mitunter herausfordernd sind. Förderprogramme, aber auch die richtige Konstellation von Investoren in der Kombination mit dem passenden Expertenwissen sind für den Erfolg der Jung-Unternehmer entscheidend.

Frau Dr. Stefaniya Genscheva interviewte anschließend die Gründerin Carmen Rommel, BIOVOX GmbH, Darmstadt und Harald Holzer vom beteiligten Gründerzentrum gemeinsam zu den Erfahrungen bei der Unternehmensgründung. Dabei wurde die enorme Bedeutung für diese Unternehmensgründung heraus gearbeitet, sich möglichst frühzeitig an HIGHEST gewandt zu haben. Letztendlich konnte so das Team weiter geformt werden und auch die ursprüngliche Gründungsidee wurde neu justiert. Eine grundsätzliche Hürde bei der Suche nach Investoren ist es, wenn das zugrunde liegende geistige Eigentum der Hochschule gehört. Die TU Darmstadt hat deshalb die Strategie, das IP dem Unternehmen zu übertragen und dafür „virtuelle“ Anteile am Unternehmen zu erhalten. Diese werden erst bei einem Exit des Unternehmens monetarisiert.

Den Abschluss bildete Prof. Dr. Jörg von Hagen, Geschäftsführer der ryon GreenTech Accelerator Gernsheim GmbH, die sich als Startrampe für grüne Innovation in der Rhein-Main-Neckar Region versteht. Start-ups und KMU werden bei der Entwicklung neuer nachhaltiger Lösungen im Bereich der Umwelttechnologien, Chemie, Biotechnologie sowie Material- und Ingenieurwissenschaften unterstützt. Gerade diese Branchen profitieren insbesondere von innovativen Technologien (u.a. Advanced materials, Biotechnology, Photonics& Electronics, AI und BlockChain). Der Sitz der Betreiber-Gesellschaft ist der GreenTech Park FLUXUM Gernsheim, wo den Unternehmen, neben Mentorings, vor allem Labor- und Büroinfrastruktur angeboten wird. Gefördert wird der Greentech Accelerator ryon durch das Hessische Wirtschaftsministerium.

 

Im Anschluss luden die Veranstalter noch zu einem Get-together ein, um die gelungen Beiträge mit den Referenten weiter zu diskutieren und die eigenen Netzwerke auszubauen.

Unterstützung:


Das Vorhaben wird durch die BMBF-Fördermaßnahme "Innovationsräume Bioökonomie" im Rahmen der "Nationalen Forschungsstrategie BioÖkonomie 2030" gefördert.

Geschäftsstelle:

Provadis Hochschule

Die Provadis Hochschule ist die Hochschule der Industrie und bietet deutschlandweit für über 1200 Studierende natur- und wirtschaftswissenschaftliche Studiengänge dual und berufsbegleitend an.

DECHEMA e.V.

Die DECHEMA e.V. ist das kompetente Netzwerk für chemische Technik und Biotechnologie in Deutschland. Als gemeinnützige Fachgesellschaft vertritt sie diese Gebiete in Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft.